21. März 2001
Prävention
Ortsrat beschäftigt sich mit Prävention und Jugendkriminalität.
In einer Ortsratssitzung vom 21. März 2001
beschäftigte sich der Groß Düngener Ortsrat u.a. mit dem
Zustand des Recycling-Container Standortes, die Sicherheit eines
Schulweges und gewährte dem Schützenverein einen Zuschuss von
1000,00 DM zu einer neuen Schießanlage.
Der Schwerpunkt der öffentlichen Sitzung lag aber auf dem Thema
"Präventionsarbeit im Jugendbereich der Stadt Bad Salzdetfurth".
Der Leiter des Polizeikommisariats Bad Salzdetfurth Heinfred Müller
berichtete zunächst von der Kriminalstatistik im Jahre 2000 und ging
dabei insbesondere auf die Straftaten von Kindern und Jugendlichen ein.
Er betonte, dass das "Hellfeld" durch den
Schwerpunkt Kriminalitätsbekämpfung der Polizei
zwar größer geworden ist, dadurch aber die Zahl der
tatsächlich begangenen Straftaten
nicht zugenommen hat sondern die Dunkelziffer kleiner geworden ist.
Insbesondere bei Drogendelikten kommen wenige Fälle zur Anzeige,
da durch sie kein Sachschaden entsteht, wie es z.B. bei
Sachbeschädigung oder Einbruch der Fall ist, wo es einen direkt
Geschädigten gibt.
Seit Mitte letzten Jahres hat ein "runder Tisch" in Bad Salzdetfurth
seine Arbeit aufgenommen. Gemeinsam nehmen Vertretern der Polizei, der
Stadt, der Schulen, des Landkreises und verschiedener Institutionen
die Kriminalprävention als gemeinsame Aufgabe wahr.
Die Polizei stellt Beamten als "Paten" zur Verfügung, die als
Kontaktperson für Schulen und Kindergärten fungieren.
Im Dezember letzten Jahres wurden die Kindergärten im Stadtgebiet mit
dem Gewaltspräventionsbuch "Boby hör auf" ausgestattet, das von
Sponsoren gestiftet wurde. (Die Rubs berichtete)
Weitere ähnliche Aktionen sind geplant.
Auch die Zusammenarbeit mit Schulen hat sich sehr gut entwickelt.
"Durch Ansprechpartner und kurze Wege werden Straftaten aufgedeckt und
zum großen Teil aufgeklärt", erläuterte Heinfred Müller.
Er wies deutlich daruaf hin, dass es bei der Initiative in erster
Linie um die Prävention geht.
Um Straftaten von Jugendlichen zu verhindern ist es notwendig, dass
die verschiedenen Institutionen zusammenarbeiten und den
Jugendlichen ein soziales Verhalten mit auf den Weg geben.
Besonders gefragt sind die Eltern, die ihren Kindern schon in jungen
Jahren bestimmte Verhaltensmuster vorleben und beibringen. Mit zunehmenden
Alter wird der Einfluss der Eltern geringer, Freunde erlangen einen
großen Einfluss auf die Jugendlichen. Müller berichtet, das die Entwicklung
einer "Episode" ganz entscheidend von der Bewertung der Freunde abhängt.
Freunde die die Straftaten gut finden und den Täter als Helden
feiern bereiten den Boden für weitere Taten. Stößt der Täter jedoch
im Freundeskreis auf Ablehnung - oder sogar Ausschluss - ist die Gefahr einer
Wiederholungstat weitaus geringer.
Wolf Ulrich Müller, Direktor der Grundschule in Groß Düngen berichtete
von der Situation an seiner Schule. Aufgrund des jungen Alters der
Schülerinnen und Schüler, käme es dort
nicht zu Straftaten. Schüler und Schülerinnen, die auffällig werden, werden
in Gesprächen "versöhnt", von Straftaten seitens der Schülerschaft ist
ihm nichts bekannt. W. U. Müller erzählte jedoch von einem anderen
Phänomen und der Ohnmacht mit der Pädagogen sich dem Thema sexueller
Missbrauch von Kindern gegenüber sehen.
Oft bauen die betroffenen
Kinder eine Mauer des Schweigens auf. - Dann sei es fast unmöglich
den Betroffenen zu helfen. Selbst Hilfsorganisationen, die sich
ausführlich mit der Problematik befassen wüssten in solchen Fällen
keinen Ausweg.
Reinhard Nipp vom Schulzentrum in Bad Salzdetfurth teilte seine
Beobachtungen über die immer weiter fortschreitende Verrohung unter
seinen Schülern mit.
Für ihn stellen sich die Grenzen beim Thema Gewalt als
fließend dar. Oft wird die Grenze des normalen "Balgens" unter Jugendlichen
überschritten und Gewalt gezielt und brutal eingesetzt.
Er berichtete von Eltern, die Warnungen der Schule nicht ernst nehmen,
die sich z.B. über Briefe aufregen, die sie von der Schule bekommen,
weil Ihre Kinder rauchend erwischt wurden. Das Jugendschutzgesetz verbietet
Jugendlichen unter 16 Jahren das Rauchen, viele Eltern sehen das locker.
Auch die Beteiligung der Eltern an Elternabenden, in denen Auffälligkeiten
von Schülern besprochen werden könnten, ist sehr gering.
"Wir haben schon versucht Elternversammlungen außerhalb der Schule
beim einem Glas Bier abzuhalten, damit überhaupt noch jemand kommt",
berichtet Nipp.
"Und, wie so oft: Die Eltern, dessen Kinder betroffen sind, kommen
sowieso nicht."
In der sich anschließenden Diskussion, an der auch Zuschauer der
Sitzung teilnahmen, konnten Ansätze zur Prävention im Bereich
Kinder- und Jugenddeliquenz aufgezeigt werden.
Zum Abschluss der Sitzung bedanke sich Ortbürgermeisterin
Lieselotte Bogun bei den Vortragenden und regte eine regelmäßige
Information des Ortsrates zu diesem wichtigen Thema an.
Bericht von
Jörg Neelen