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Archiv Bad Salzdetfurth

12. Mai 2003

Erziehung ist Schwerstarbeit

Erfolgreiche Erziehung und die Notwendigkeit der Anstrengung!

Gruppenbild
Informierten und stellten sich den Fragen der Lehrer und Eltern: (von links) Schulleiter Jürgen Peter (Realschule Bad Salzdetfurth), Bürgermeister Erich Schaper, Polizeihauptkommissar Nuran Heim (Leiter der Polizeistation Bad Salzdetfurth), Psychologe John Coughlan (Jugend-, Erziehungs- und Familienberatung der Caritas), Polizei Gabriele Freier (Polizeistation Bad Salzdetfurth), Rolf Jakobs (Jugendpfleger in Bad Salzdetfurth), Ruth Lüder (Beauftragte für Jugendsachen, Polizeiinspektion Hildesheim), Konrektor Reinhard Nipp (Hauptschule Bad Salzdetfurth)

Ein interessanter Abend mit vielen hilfreichen Informationen für Eltern pubertierender Jugendlicher war das. Eingeladen hatten die Stadt Bad Salzdetfurth und das Schulzentrum Bad Salzdetfurth.

Allerdings fällt dem aufmerksamen Beobachter gleich am Anfang auf, was wohl immer so ist und leider auch nicht zu ändern ist: Eingeladen waren die Eltern der Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis zehn, also etwa 550 Einladungen. - Gekommen sind etwa 40 Personen, davon jeweils zur Hälfte Lehrer und Eltern. Die Eltern der "Problemkinder" waren vermutlich nicht darunter.

Bürgermeister Erich Schaper begrüßte die Anwesenden und wies auf die gute Zusammenarbeit zwischen Schulzentrum, Stadt, Polizei und Jugendamt hin. Außerdem stellte er fest, das unsere Jugend nicht schlecht ist. Es gäbe eine große Anzahl Jugendlicher, die ihren Weg gingen, allerdings gibt es auch Problemfälle mit denen sich Schule, Stadt, Polizei und Jugendamt auseinandersetzen müssten.

Jürgen Peter, Leiter der Realschule formulierte die Ziele, die ein Schüler nach Beendigung seiner Schullaufbahn erreichen sollte so: 1. Lesen können, 2. Begreifen können, was gelesen wurde, 3. Selbständig arbeiten können 4. Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit. Des weiteren verglich er anschaulich die Schullaufbahn mit einer Bergwanderung. Das Erreichen eines guten Abschlusses sei wie das Erreichen des Gipfels. Allerdings sei der Berg recht hoch und es kostet Anstrengung den Gipfel zu erreichen. Lehrer begleiten die Schüler auf diesem Weg und sorgen dafür, dass sie den Gipfel Stück für Stück erreichen würden.

Leider nähmen viele Eltern den Jugendlichen jede Motivation, indem sie mit ihnen zusammen auf die Schule schimpfen und pauschale Urteile über Lehrer fällen. Er räumte ein, dass auch Lehrer nicht immer alles richtig machen würden, aber wichtig wäre der direkte Draht zwischen Eltern und Lehrern, um Kritik an der richtigen Stelle loszuwerden. Ein Klagelied über die Schule mit den eigenen Kindern anzustimmen würde keinem helfen.

Ruth Lüder, Beauftragte für Jugendsachen von der Polizeiinspektion Hildesheim berichtete über die Polizeistatistik des vergangenen Jahres und schilderte das Vorgehen, wenn Jugendliche bei der Polizei angezeigt werden. Sie wies ausdrücklich darauf hin, das die meisten Fälle, die von der Polizei bearbeitet werden, Einzeltaten sind. Es gibt nur sehr wenige Wiederholungstäter in der Altersgruppe. Daher steht auch der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Sie berichtet, das in vielen Fällen die "formale Grenze" aufgezeigt wird - oft weil Eltern es nicht schaffen die Erziehung ihrer Kinder wahrzunehmen und Grenzen zu setzen. Zum Schluss gab sie den Eltern einen Rat mit auf den Weg: "Eltern sind Vorbilder. Kinder tun nicht das was wir ihnen sagen, sondern machen nach was wir ihnen vorleben".

Psychologe John Coughlan von der Jugend-, Erziehungs- und Familienberatung der Caritas gab in seiner humorvollen und lebendigen Art wertvolle Hinweise für die Erziehung. Besonderen Wert legt er darauf, dass Erziehung im familiären Bereich aus dem Bauch heraus genau das Richtige sei. Erziehungsarbeit sei keine wissenschaftliche Tätigkeit. Er machte den Eltern Mut Grenzen zu setzen und Konflikte auszuhalten. Zuneigung kann sich auch in einem Konflikt zeigen - und wird von den Jugendlichgen auch honoriert. Die Abgrenzung der Kinder zu den eigenen Eltern sei enorm wichtig um eine eigene Person zu werden. "Feuer unterm Hintern kann sehr Herzerwährmend sein" fasste er seine fundierten Ausführungen zu diesem Punkt zusammen. Auch die Rollen innerhalb von Familien zeigte er auf. Oft sei es die Mutter, die Konflikte mit den Kindern austrägt, während sich der Vater gemütlich zurücklehnt und versucht zu schlichten, der Mutter damit oft sogar in den Rücken fällt. Das sei fatal, weil so die Autorität der Mutter untergraben würde. "Es ist enorm wichtig, dass Eltern in kritischen Situationen zusammenarbeiten und es funktioniert." Erziehung ist und bleibt Schwerstarbeit. Diese zu leisten ermutigte er die Eltern.

Im Anschluss an die Vorträge gab es eine Podiumsdiskussion in der offene Fragen geklärt wurden.


Bericht und Foto von Jörg Neelen
 

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