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Archiv Bad Salzdetfurth

19. November 2002

Warum gerade ich?

Profi-Marathon-Handicap-Läuferin Jeannine Rathjen macht Station in Bad Salzdetfurth.

Gruppenbild
Chefarzt Dr. Heinz Riechers, Pflegedienstleitung Ursula Klein, die Vorsitzende des Ausschuss für Kultur, Schule und Soziales Lieselotte Bogun und der stellvertretende Bürgermeister Alfred Bellgardt nehmen Jeannine Rathjen vor der Salzeklinik II in Empfang.

Wenn man Jeannine Rathjen auf dem Fahrrad sieht, sieht man ihr nicht an, das Ihr rechter Unterschenkel gelähmt ist. Doch das war nicht immer so: Nach ihrem Unfall brauchte sie 10 Jahre bis sie wieder laufen konnte.

Seit drei Jahren ist sie Vollprofi. Sie steht mit 43 Marathon-Läufen im Guinness-Buch der Rekorde und gilt als schnellste Marathon-Handicap-Läuferin der Welt. Sie nimmt an 100 Kilometer - Läufen teil und an Trithlon Wettbewerben. Sie hat eine ganze Reihe von Erfolgen im Behindertensport vorzuweisen und scheut sich nicht davor bei ganz normalen Veranstaltungen zu starten.

Und jetzt hat sie sich einen Traum verwirktlicht: In Zusammenarbeit mit dem Grünen Kreuz und Ihrem Sponsor hat sie den ersten deutschen Flyer für Unfallopfer geschaffen, damit es anderen nicht so ergeht wie Ihr. Auf der über 3000 km langen Run & Bike Tour durch Deutschland, die am 11. November in Damp startet und unter der Schirmherrschaft der hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger steht, besucht sie über 40 Kliniken und Reha-Einrichtungen um behinderten und kranken Menschen Mut zu machen und vorzuführen, wie durch starken Willen und Sport das Leben mit einer Behinderung verbessert werden kann.

Vor Patienten der Salzeklinik II erzählt sie locker ihren Lebenslauf, aber eigentlich ist er nicht besonders schön: Aufgewachsen in Heimen, in verschiedenen Pflegefamilien gewesen, über 20 verschiedene Schulen besucht. Mit 18 landet sie auf der Straße, wird mit 19 in einen Autounfall verwickelt, der die Lähmung auslöst. Krankenhausaufenthalte folgen.

Schon vor dem Unfall war sie eine leidenschaftliche Läuferin: "Andere haben Drogen genommen oder haben Alkohol getrunken, ich bin gelaufen" berichtet sie. Jahre nach dem Unfall hat sie es wieder versucht, auf eine recht harte Tour: "Irgendwann habe ich mir gesagt, dass es noch ein (zweites) Leben gibt, die Erkenntnis ist noch nicht besonders gesichert". "Eines Tages schaffte ich es 10 Meter zu - nennen wir es Walken", daraus wurden langsam 5 km Joggen. Heute läuft sie bis zu 160 km am Stück. Sie holte den Haupt- und Realschulabschluß nach und machte eine Ausbildung zur Bürokauffrau.

Eine Frage aus dem Publikum bring Jeannine Rathjen dann doch ins Schwimmen: Ob sie jemanden gehabt hat, der ihr beim Training geholfen hat und ob sie ihre Bemühungen mit einem Arzt abgesprochen hat. - Hat sie nicht. Aber sie warnt eindringlich davor es ihr nachzumachen - "nicht empfehlenswert".

Nach einer kurzen Verschnaufpause in Bad Salzdetfurth ging es weiter nach Seesen, Etappenziel des Tages. Dort wartete schon der NDR zum Interview.

Weitere Informationen und aktuelle Berichte von der Tour finden sich im Internet: http://www.dgk.de


Bericht und Foto von Jörg Neelen
 

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