Badse.de

 

Adventskalender 2003

1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24

Brot für die Welt

Advent 2003

24. Dezember 2003

Weihnachten - Licht in der Finsternis

Wenn ich durch Bad Salzdetfurth gehe, sehe ich in den Vorgärten erleuchtete Weihnachtsbäume. Ich sehe Lichtbögen und Sterne in vielen Fenstern. Ich bin mir sicher, dass die Menschen nicht nur aus Tradition Lichter in die Dunkelheit setzen. Ich glaube, es steckt mehr dahinter, einmal im Jahr eine bewusste Veränderung an Haus und Garten zu installieren.

Wenn wir feiern, stellen wir Kerzen auf den Tisch und schalten das übrige Licht aus. Wir verändern das Gewohnte und schaffen eine besondere Atmosphäre. Hinter dem Stimmungsvollen, dem mit viel Liebe und Freude Vorbereiteten, wird etwas Geheimnisvolles sichtbar. Dahinter steht die Erkenntnis, dass zum Beispiel gemeinschaftliches Essen mehr ist als nur Nahrungsaufnahme. Es ist Anteilnahme am anderen und Anteilgabe meiner Person, in der Begegnung, im Gespräch und im gemeinsamen Essen.

Hier wird beispielhaft deutlich, wie das weihnachtliche Geheimnis zu verstehen ist: Gott gibt uns Anteil an sich, indem er ein Mensch wird. Und indem er Mensch wird, nimmt er Anteil an uns. So gibt er sich uns und Gemeinschaft entsteht. Wenn wir Kerzen entzünden und uns an eine festliche Tafel setzen, dann verbindet sich damit die Hoffnung, auch in uns möge es heller und damit freundlicher für uns und den anderen werden. Die emotionale Sprache dieses Geschehens ist nicht zu unterschätzen. Wie ein Mensch sich nach außen gibt, wie er sein Leben gestaltet, so sieht es auch innerlich in ihm aus.

Wenn wir Lichter aufstellen, so glaube ich, erwarten wir mehr als nur das Stimmungsvolle daran. Wir hoffen, dass das Licht die Dunkelheit erhellt. Zu Weihnachten zeigen sich Sehnsucht und Enttäuschung dieser Hoffnung in vielfacher Weise. Wir setzen zu viele Erwartungen in diese Tage. Alles was über's Jahr versäumt ist, soll jetzt nachgeholt werden. Das kann nicht gelingen. Wenn wir es schaffen, an einer oder an zwei Stellen eine freundliche Atmosphäre des Umgangs miteinander liebevoll zu gestalten, dann ist das schon viel. Wichtiger ist es, dies auch über's Jahr durchzuhalten, und es nicht mit dem Weihnachtsschmuck sozusagen wieder auf dem Dachboden zu verstauen.

Die Sehnsucht der Menschen nach weihnachtlicher Freude hat Gott unübersehbar und unzerstörbar in unsere Herzen gesät. Ich glaube, Gott hat uns auch beispielhaft vor Augen geführt, wie Friede in einer heillosen Welt entstehen kann. Immer durch Widerstände hindurch.

Das beginnt schon vor der Geburt des Jesuskindes bei der Suche der Eltern nach einem "Raum in der Herberge". Für mich stellt sich die Frage, welche Räume sind bei mir innerlich und äußerlich besetzt. Wem kann ich Raum geben? Gibt es Möglichkeiten der Veränderung bei mir? Dies für die eigene Lebenssituation in Familie und im Umgang mit Arbeitskollegen oder Nachbarn durchzubuchstabieren, ist eine entscheidende Voraussetzung für Veränderungen. Die fangen immer bei mir selbst an. Maria und Josef schieben die schwierigen Umstände nicht auf Gott, sondern suchen selbst ein Unterkommen. Sie sind froh, dass sie in der aufgeteilten Welt wenigstens einen Stall finden konnten.

Hier schließt sich meine nächste Frage an. Welche Erwartungen habe ich an unsere Gesellschaft und ihre Institutionen? Sind meine Wünsche und Vorstellungen berechtigt oder überzogen? Kann ich mich auch mit weniger zufrieden geben? Vielleicht erreiche ich viel mehr, wenn nicht auf mein "Recht" poche, sondern Wege finde, die angemessen sind. Das weihnachtliche Licht über dem Stall zeigt mir, dass das Licht auch dort scheint, wo eben nicht alles in Hülle und Fülle vorhanden ist.

Ich glaube, dass Maria und Josef nicht wussten, was sie damals erwartete. Sie sind durch ihre Erlebnisse, letztlich mit Gott, über sich selbst hinausgewachsen. Sie haben den Mut gehabt, sich auf diese Christgeburt einzulassen. Sie haben neue, unglaubliche Situationen erlebt und sich engagiert hineinbegeben. Sie sind in dieses Gottes-Wagnis gegangen, ohne zu wissen, wie es ausgehen wird. Sie waren bereit, aktiv die Veränderungen an sich geschehen zu lassen. Maria und Josef haben sich auf Gott verlassen, und Gott hat ihr Vertrauen nicht enttäuscht. Die Weihnachtsbotschaft macht mir deutlich: Maria und Josef haben mit Gott Schwieriges erlebt, aber eben mit Gott! So konnten sie Probleme aushalten und überwinden. Lebensumstände ins Positive hinein zu verändern bedeutet, sich selbst dieser Gottes-Veränderung hinzuhalten. Dann gelingt es auch, Widrigkeiten auszuhalten und Lebensveränderungen nicht selbst zu erzwingen, sondern sie wachsen zu lassen.

Das Weihnachtslicht kommt von außen, von Gott. Damit entzieht es sich menschlicher Verfügung. Es ist nicht herstellbar, nicht zu vervielfältigen und nicht zu vermarkten. Das ist sein entscheidender Vorzug. Es ist nicht zerstörbar, sondern bleibt. Es kommt auf mich zu als Geschenk, auf das ich vertrauensvoll warten muß. Wenn wir Gott in unserem Leben Raum geben, dann leuchtet das weihnachtliche Licht von der Krippe zu uns herüber und verwandelt unsere Dunkelheit in Licht.

Ich wünsche allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.
Klaus-Daniel Serke,
Pastor an der St. Georgs- und Martin Luther-Kirche,
Bad Salzdetfurth