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2001

Gebrochen ist des Feuers Macht

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Wehrstedt
zum 100-jährigen Gründungsjubiläum

1. Feuerwehrfest 1926
1. Feuerwehrfest 1926

Bereits 1901 wurde die Freiwillige Feuerwehr Wehrstedt gegründet. Erste Aufzeichnungen stammen jedoch erst aus dem Jahre 1904. Von der Gründungsversammlung ist nur bekannt, dass 55 Kameraden anwesend waren. Noch im Gründungsjahr wurde eine Hand-Feuerwehrspritze im Wert von 1. 600,00 Mark angeschafft.

"Mit Gott!" Mit diesem ehrfürchtigen Ausspruch beginnt die erste Seite des Protokollbuches. Am 17. April 1904 wurde die erste Generalversammlung protokolliert, die in der damaligen Grebeschen Gastwirtschaft, heute Ossenkop, stattfand. Zum ersten Feuerwehrhauptmann unserer Wehr wählten die Gründungsmitglieder in geheimer Wahl mit 44 Stimmen den Müller Emil Moritz. Ihm standen Heinrich Brunotte, Heinrich Fischer und Heinrich Philips als Zugführer sowie Heinrich Crome als Schriftführer zu Seite.

Entsprechend der wilhelminischen Kaiserzeit herrschte auch in der Freiwilligen Feuerwehr eine gewisse militärische Strenge. Aus jener Zeit ist nachzulesen, dass ein Feuerwehrkamerad, der unentschuldigt nicht am Feuerwehrfest in Gross Ilde teilnahm, mit einer Strafe von einer Mark belegt wurde. Weil der Kamerad die Zahlung der Strafe verweigerte, wurde die Strafsumme im Jahr darauf vom Ehrengericht auf zwei Mark erhöht. Nachdem der Kamerad auch weiterhin nicht zahlte, erfolgte der Ausschluss aus der Wehr. Seinen teilweise selbst bezahlten Feuerwehrrock mußte er, ohne eine Vergütung zu erhalten, zurückgeben. Für die damalige Zeit war dies sicherlich eine harte Strafe.

Aber auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz. Das erste Tanzvergnügen fand bereits am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1904 auf dem Borcherschen Tanzboden (später Werth/Sander) statt. Dafür mußten allerdings die Monatsbeiträge für Juli bis Dezember 1904 um 20 Pfenning angehoben werden. Eine bis zum heutigen Tage gepflegte Sitte stammt ebenfalls aus jener Zeit. So steht geschrieben, dass nach den Jahreshauptversammlungen "zum Schlusse 50 Liter Bier gemeinsam vertrunken wurden, welche aus der Kasse bezahlt werden sollten".

Der erste Hornist der Feuerwehr war Wilhelm Keunecke, der 1906 von Heinrich Philipps abgelöst wurde.

Im Jahre 1909 übernahm Heinrich Leinemann die Führung der Wehr. Im folgendem Jahr entschloss man sich dazu, innerhalb der Wehr eine eigene Musikgruppe zu bilden. Mit den angeschafften 3 Trommeln und 3 Flöten musizierte man unter der Leitung des "Tambours" H. Ohmes (Lehrer aus Bad Salzdetfurth), der schon damals eine Vergütung von 1,50 Mark je Übungsabend erhielt.

Mit der alten Hand-Feuerwehrspritze wurden regelmäßig jährlich bis zu 10 Übungen absolviert. Die Wehr war damit schon damals für Ernstfälle gewappnet, zumal die Kameraden Heinrich Crome, Heinrich Bolm und Heinrich Brunotte bereits im Jahre 1911 an einer Erste-Hilfe-Ausbildung beim Sanitätsrat Dr. Wahls teilnahmen. Heute ist die Erste-Hilfe-Ausbildung Voraussetzung für den aktiven Dienst.

Auch die Kassenbestände der Anfangszeit sind sehr interessant. Diese wurden 1912 mit 4,52 Mark und 1913 mit 3,34 Mark angegeben. Im selben Jahr wählten die Kameraden Heinrich Fischer zum Hauptmann. Während des 1. Weltkrieges kam der Feuerwehrdienst zum Erliegen. Erst am 22. Februar 1920 traf man sich wieder, hatte aber zahlreiche Gefallene unter den Kameraden zu beklagen.

Auch die Probleme der zwanziger Jahre machten vor unserer Wehr nicht Halt. Wurde 1921 noch ein Monatsbeitrag von 25 Pfennig erhoben, lag dieser am 21. 01. 1923 bereits bei 3,00 Mark. Eine Strafsumme belief sich am 29. 07. 1923 schon auf 10. 000,00 Mark.

1921 wurde die Wehr bei der Bekämpfung von zwei Großbränden vor Ort gefordert. Von einem Ereignis, bei dem Scheune und Stall brannten, gibt es eine tragikomische Anekdote zu berichten: Da sich der Brand gefährlich ausbreitete und das benachbarte Wohnhaus bedrohte, wurden auch die Wehren aus Bad Salzdetfurth und Östrum alarmiert. Die am Brandort zuerst eintreffende Östrumer Wehr war auf sich allein gestellt. Die beiden anderen Wehren kamen nicht zum Löschen, weil sich die zwei Hauptmänner stritten, wer wohl das Kommando habe.

Aus dieser Zeit stammt auch das Foto der Wehr zum 25-jährigen Gründungsjubiläum, dass in der Herrenwiese zünftig gefeiert wurde.

Christel Philipps wurde am 24. April 1927 zum 4. Feuerwehrführer unserer Wehr gewählt. Er führte die Wehr mit Unterbrechungen während des 2. Weltkrieges bis 1948. Aus dieser Zeit ist noch ein größerer Scheunenbrand am Silvestertage des Jahres 1935 bekannt. Unser Musikzug wurde im Jahre 1935 ins Leben gerufen.

1948 übernahm Karl Mahnkopp das Kommando. Im Jahr 1951 konnte mit Zuwendungen der Gemeinde, des Landkreises, des Kaliwerkes und der Forstverwaltung sowie durch Spenden der Wehrstedter Bevölkerung eine Tragkraftspritze (TS 8) der Firma KHD-Magirus im Wert von 5. 404,00 DM angeschaftt werden. Im selben Jahr wurde das 50-jährige Gründungsjubiläum mit einem Zeltfest begangen. Eine sehr aktive Feuerwehrgruppe unter Leitung des Gruppenführers Willi Keunecke belegte in den fünfziger Jahren manchen vorderen Platz bei Wettkämpfen.

Feuerwehrfest 1951
Feuerwehrfest 1951

Otto Jörren löste am 10. 01. 1959 Karl Mahnkopp ab und führte die Wehr bis zum Jahre 1977. Bereits 1965 stellte die Gemeinde Wehrstedt ein Löschfahrzeug (LF 8) vom Typ "Opel-Blitz" zur Verfügung. Die Zeiten der pferdebespannten Hand-Feuerwehrspritze und des TSA-Anhängers, auf dem Kameraden aufsitzen bzw. auf einem zusätzlichen Anhänger Platz nehmen mußten, waren damit beendet. Der "Opel-Blitz" versah seinen Dienst bis 1992. Manche wehmütige Erinnerung ist mit diesem Fahrzeug verbunden. Die Gründung der Jugendfeuerwehr am 26. 01. 1974 war ein weiterer wichtiger Meilenstein in unserer Geschichte. Das 75-jährige Gründungsjubiläum unserer Wehr wurde 1976 ebenfalls mit einem Zeltfest begangen.

Als Nachfolger von Otto Jörren wählte die Jahreshauptversammlung 1977 Gerhard Rössing zum neuen Ortsbrandmeister und ernannte seinen Vorgänger zum Ehrenortsbrandmeister.

Unter den vielen Ernstfällen sei an dieser Stelle wohl an den folgenschwersten aus dem Jahre 1980 erinnert. Bei einem Wohnungsbrand in der Kampstraße gab es einen Todesfall zu beklagen.

1988 ging ein langersehnter Wunsch in Erfüllung. Ein neues Feuerwehrhaus konnte nach zweijähriger Bauzeit bezogen werden.

Das alte Spritzenhaus an der Kirche hatte damit ausgedient. Bis zur Fertigstellung des neuen Heimes mußte allerdings viel Schweiß vergossen werden. 5. 264 Arbeitsstunden haben die Kameraden in Eigenleistung bis zur Fertigstellung des Hauses geleistet. Bei einem Tag der offenen Tür wurde das neue Feuerwehrhaus der Bevölkerung vorgestellt.

Nach dem Fall des "Eisernen Vorhanges" hat sich im Rahmen der Partnerschaft zwischen der Stadt Bad Salzdetfurth und der Stadt Kelbra/Kyffhäuser auch eine Freundschaft zwischen der Freiwilligen Feuerwehr Kelbra und unserer Wehr entwickelt, die während der Feierlichkeiten zu unserem 90-jährigen Gründungsjubiläum mit der Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrages besiegelt wurde. Diese Partnerschaft wird auf allen Ebenen intensiv gepflegt. Auch unsere Jugendfeuerwehr besucht jedes Jahr zu Pfingsten unsere Partnerwehr am Stausee in Kelbra.

Nachdem unser Einsatzfahrzeug 1992 aufgrund irreparabeler Schäden ausgemustert wurde, haben wir nach einer kurzen Übergangszeit 1993 ein neues Einsatzfahrzeug erhalten. Dabei handelt es sich um ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) von Mercedes-Benz. Die Finanzlage der öffentlichen Haushalte erlaubte leider nicht die Wiederbeschaffung eines LF 8.

Ein weiterer Führungswechsel hat 1995 stattgefunden. Auf der Jahreshauptversammlung am 14. Januar wurden Frank Schünemann von den Anwesenden zum neuen Ortsbrandmeister gewählt sowie Gerhard Rössing zum Ehrenortsbrandmeister ernannt. Als erste seiner Amtshandlungen konnte Frank Schünemann noch im Januar 1995 eine neue Tragkraftspritze (TS 8) der Firma Rosenbauer von der Stadtverwaltung übernehmen.

Aus der nahen Vergangenheit ist sicherlich die Anschaffung eines VW-Busses aus Eigenmitteln hervorzuheben, der von der Stadt Bad Salzdetfurth für feuerwehrtechnische Zwecke umgerüstet wurde. Mit dieser Investition ist den Bedürfnissen der aktiven Wehr, des Musikzuges und der Jugendfeuerwehr Rechnung getragen und die Schlagkraft erhöht worden.

Im Wandel der Zeit hat sich das Einsatzfeld unserer Freiwilligen Feuerwehr grundlegend geändert. Waren es in den ersten Jahrzehnten vornehmlich noch Brandeinsätze, die es zu bekämpfen galt, stehen heute durch vorbeugende Brandschutzmaßnahmen in unserer mobilen Gesellschaft feuerwehr- und umwelttechnische Hilfeleistungen, z. B. nach Verkehrs- und Ölunfällen, im Vordergrund.

Unsere Wehr ist aus unserem Ortsteil nicht mehr wegzudenken. Sie hat sich durch zahlreiche Brandeinsätze und Hilfeleistungen, auch über Wehrstedts Grenzen hinaus, einen Namen gemacht. Die interne Zusammenarbeit zwischen Wehr, Musikzug und Jugendfeuerwehr und auch die externe Zusammenarbeit mit allen anderen ortsansässigen Vereinen und Verbänden sowie der Bevölkerung ist sicherlich als vorbildlich zu bezeichnen.

Das 100-jährige Jubiläum ist ein guter Anlass, all denen Dank zu sagen, die ihre Zeit und Kraft im Rahmen des ehrenamtlichen Löschwesens für ihre Mitbürger geopfert haben oder ihren Dienst jetzt noch verrichten.

Mögen sich auch in Zukunft genügend Frauen und Männer für den ehrenamtlichen und selbstlosen Dienst in unserer Freiwilligen Feuerwehr zum Wohle der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

In diesem Sinne rufen wir allen Gästen ein herzliches Willkommen und ein "Gut Wehr" für die Zukunft zu.

Feuerwehr 2001
Freiwillige Feuerwehr Wehrstedt im Jahre 2001
 

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